Teilen auf

Alle Porträts
Berichten Apropos

Berichte

Wurden Sie schon wegen Ihrer
sexuellen Orientierung diskriminiert?

Teilen Sie Ihre Geschichte

Das Geschlecht

"Scheiss Schwuchtel! Du bekommst auf´s Maul!" Diesen plakativen Satz habe ich in meinen späten Teeniejahren und anfänglichen 20ern des öfteren gehört. Und zu der Ankündigung kam es dann auch. Natürlich hat sich nie jemand von denen getraut allein auf mich loszugehen,...

Weiterlesen

Anonym

"Scheiss Schwuchtel! Du bekommst auf´s Maul!" Diesen plakativen Satz habe ich in meinen späten Teeniejahren und anfänglichen 20ern des öfteren gehört. Und zu der Ankündigung kam es dann auch. Natürlich hat sich nie jemand von denen getraut allein auf mich loszugehen, sondern sie sind immer in einer Gruppe auf mich los. Auslöser war wahrscheinlich, dass ich nicht wirklich versteckt habe, dass ich schwul bin. Dies war jetzt kein rebellisches mutiges Aufbegehren, sondern ganz simpel einfach ich zu dem Zeitpunkt. Wenn ich mich mit heterosexuellen Freunden unterhalte, waren und sind diese teilweise erstaunt, dass dies im "modernen" Deutschland passiere. Naja, passiert vielleicht auch nicht jedem (aber ich denke vielen). Solche Androhung und ggf. Umsetzung von Gewalt ist zumindest klar erkennbar und zuzuordnen, schlimmer ist dann doch die eher versteckte Diskriminierung. Als Pädagoge, der ich bin, ist die Angst der Eltern und teilweise auch der Jugendlichen, dass ich ein Pädophiler sei. Dies verhinderte einmal den Aufstieg zur Leitung, wie mir vertraulich von einer im Beirat sitzenden erzählt wurde. Ein anderes Mal hatte es eine radikale Christin (sie war eine Kollegin bei einer anderen Arbeitsstelle) sich zum Ziel gesetzt, mich aus dem Job zu mobben, oder zumindest daraus Vorteile zu schlagen. Ohne je mit mir gesprochen zu haben ging sie zu meinen Vorgesetzten und erzählte ich würde sie permanent bewusst ausgrenzen und erniedrigen. Die hat daraufhin 6 Monate (sic!) bezahlte Beurlaubung bekommen, damit ihr Vertrag auslaufen konnte. Zudem ist es immer noch schwer sich offen schwul in der Pädagogik zu geben, da in den Köpfen vieler Menschen schwul=pädophil heißt. Also eigentlich meinen sie damit, dass ich und andere meiner Art alles männliche bespringen, was nicht rechtzeitig vor mir geflohen ist.

Aber ich bin trotzdem zufrieden als Schwuler in Deutschland zu leben, da ich hier wenigstens die Möglichkeit habe mich zu äußern und es in Minimalschritten besser wird für die LGBTI-Community. Und ich verbringe zum Glück nicht meine Tage mit verstecken und heulen oder schlimmer noch mit gebrochenen Knochen und Seele.

Es wird (eventuell) besser!

Entdecken Sie die anderen Erfahrungsberichte

TOUS LES TÉMOIGNAGES